Würdigung außergewöhnlicher Einsatz
19.08.2026
Helmut Heumann zum Altbürgermeister von Treffelstein, Ludwig Prögler wurde zum Altbürgermeister von Tiefenbach ernannt,
„Bürgermeistern“ ist nicht nur ein Beruf. Es ist Berufung. Eine Lebensaufgabe, die Durchhaltevermögen und Weitblick, Einsatzbereitschaft und Biss erfordert. Vor allem aber Leidenschaft und Herzblut. Alle diese Kriterien haben Ludwig Prögler und Helmut Heumann in ihren Amtszeiten als Bürgermeister der Gemeinden Tiefenbach und Treffelstein erfüllt. Mehr noch: Sie haben Spuren hinterlassen – in der Gemeinde und bei den Menschen, denen sie stets auf Augenhöhe begegneten und deren Sorgen und Nöte sie immer ernst nahmen.
Dieser außergewöhnliche Einsatz ist nun am Mittwochabend gewürdigt worden – mit einer der höchsten Auszeichnungen, die Gemeinden vergeben können: Ludwig Prögler wurde zum Altbürgermeister von Tiefenbach, Helmut Heumann zum Altbürgermeister von Treffelstein ernannt. Ein bewegender Moment für die langjährigen Kommunalpolitiker, ihre Familien und Weggefährten. Sie alle waren dazu in die Aula der Grundschule eingeladen worden.
Auf humorvolle Weise begrüßten Treffelsteins neuer Bürgermeister Armin Wallner und sein Tiefenbacher Amtskollege Martin Holler die Gäste – und zeigten dabei, dass sie die gute und freundschaftliche Zusammenarbeit ihrer Vorgänger fortsetzen. Prögler und Heumann hätten die Heimat über viele Jahre geprägt, gestaltet und vorangebracht, sagte Wallner. Für die unzähligen Stunden im Dienst der Gemeinschaft, für mutige Entscheidungen und das stets offene Ohr für die Bürger, kurzum: für ihr Lebenswerk, würden sie nun geehrt.
Holler bescheinigte den beiden, ihre Ämter mit Energie, Zielstrebigkeit, Kompetenz und Kreativität ausgefüllt zu haben. Sie hätten stets das Beste für ihre Gemeinden herausgeholt und die Weichen für die Zukunft gestellt. Mit Geschick und Weitblick hätten sie trotz millionenschwerer Investitionen den Schuldenstand deutlich gesenkt. Dafür seien sie 365 Tage im Jahr für die Bürger da gewesen – und hätten nicht selten auch private Interessen und Familienzeit zurückgestellt.
Doch der Einsatz habe sich gelohnt, stellte Bezirkstagspräsident und ehemaliger Landrat Franz Löffler fest. Auch, weil Heumann und Prögler früh erkannt hätten, dass es miteinander besser geht als allein. „Ihr habt eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet“, sagte er in seiner Festrede. Die Freundschaft halten zu dürfen, sei für ihn als langjährigen Wegbegleiter eine große Ehre.
Bevor Löffler auf Heumanns und Pröglers Leistungen einging, warf er einen Blick auf die Entwicklung des Landkreises, der sich vom „Armenhaus zur Aufsteigerregion“ gemausert habe. Eine Arbeitslosenquote von aktuell drei Prozent spreche für sich. Dennoch stehe man vor Herausforderungen, „die zwar nicht bei uns verursacht werden, die wir aber spüren“ – auch auf kommunaler Ebene. Der Handlungsspielraum der Gemeinden werde dadurch immer kleiner. Umso beachtlicher sei, was Heumann und Prögler in Treffelstein und Tiefenbach trotzdem bewegt hätten – über die kommunalen Pflichtaufgaben hinaus.
Tiefenbach etwa sei 2019 von Statistikern eigentlich totgesagt worden; der Gemeinde wurde die schlechteste Bevölkerungsentwicklung bis 2031 vorausgesagt. Prögler habe sich davon nicht beirren lassen, ganz im Gegenteil. Er habe es als Motivation gesehen, dagegenzuarbeiten – mit Erfolg. Kluge Entscheidungen und seine „Anpacker-Mentalität“ spiegelten sich in zahlreichen Projekten im Ort wider. Auch die Zahlen sprechen für sich: Seit 2014 konnten zwei Millionen Euro Schulden abgebaut und 1,7 Millionen Euro Rücklagen gebildet werden.
Ein ähnliches Bild zeige sich in Treffelstein. Auch dort konnten die Schulden von 670.000 Euro im Jahr 2008 auf 300.000 Euro reduziert werden. „Ganz großen Respekt davor“, sagte Löffler.
Doch Zahlen sind nur das eine. Das andere sind die Menschen. Prögler und Heumann hätten es mit ihrer Art verstanden, für die Bürger da zu sein und für sie einen Mehrwert zu schaffen. Als Beispiele nannte Löffler die Dorferneuerung in Tiefenbach, die Aufwertung des Silbersees, die Sanierung des Drachenturms mit Infozentrum, das Ausweisen von Baugebieten, das Sicherstellen der Kinderbetreuung und vieles mehr. Dazu kämen Investitionen in die Daseinsvorsorge und Infrastruktur, die die Gemeinden finanziell stark gefordert hätten. Die sich aber gelohnt hätten. Denn: „Eure zwei Gemeinden stehen gut da“, sagte Löffler und dankte Prögler für zwölf Jahre und Heumann für 18 Jahre Arbeit als Bürgermeister. Die Ernennung zu Altbürgermeistern hätten sie sich damit redlich verdient.
Nun liege es an ihren Nachfolgern, das wohlbestellte Feld weiter zu bearbeiten, sagte Landrat Christian Schindler. Denn Kommunalpolitik sei kein Sprint, sondern ein Staffellauf. Die Anforderungen seien jetzt freilich andere. „Auf die Fragen von morgen wird es keine Antwort von gestern geben“, sagte der Landrat. Das heiße nicht, dass Erfahrung weniger wert wäre. Im Gegenteil. Sie helfe, Zusammenhänge zu erkennen und Entscheidungen einzuordnen. Aber jede Zeit verlange eigene Antworten. Und genau darin liege die Stärke der kommunalen Selbstverwaltung.
Dabei dürfe man eines nicht vergessen: Ein Bürgermeisteramt lasse sich nicht allein bewältigen, es brauche engagierte Mitarbeiter, Gemeinderäte, Menschen in Vereinen und die Familie. „Kommunale Verantwortung mag häufig mit einer Person verbunden werden. Getragen wird sie aber immer von vielen.“ Deshalb galt Schindlers Dank auch Pröglers und Heumanns Ehefrauen und Kindern. Sie hätten sie über viele Jahre begleitet und unterstützt und sicher manches Mal auf gemeinsame Zeit verzichten müssen. Mit der Ernennung zu Altbürgermeistern ende heute aber kein Kapitel. Denn wer über viele Jahre Verantwortung für seine Heimat übernommen habe, bleibe Teil ihrer Geschichte.
Mit stehenden Ovationen und minutenlangem Beifall würdigten die gut 200 Gäste das Wirken der beiden Geehrten. „Es war uns eine Ehre“, sagten Heumann und Prögler in ihren persönlichen Schlussworten, die noch einmal zeigten: Sie waren nicht einfach nur Bürgermeister. Sie haben das Amt gelebt – mit allen Höhen und Tiefen, weil sie dabei stets eines im Blick hatten: das Wohl ihrer Bürger.